Wissenschaftstage Tegernsee - Natur & Technik erleben und begreifen Zur Startseite der Wissenschaftstage Tegernsee Motto der Wissenschaftstage Tegernsee 2012 - Zukunftsprojekt Erde 9. - 11. November 2012

Übersicht 2011 Biodiversität - Die Zukunft der Arten

Dr. Andreas H. Segerer
Zoologische Staatssammlung München, GeoBioCenter der LMU, Sternwarte Regensburg

im Rahmen der Veranstaltung:
"Ein Nachmittag auf Schloss Ringberg"
Sonntag, 11. November, 13:30 - 16:45 Uhr
Schloss Ringberg am Tegernsee (Bustransfer)

Grafikschema zur Ressourceneffizienz bei BMWFoto: Dr. A.H. Segerer

Wir leben in einer Zeit eines dramatischen Wandels der Biosphäre. Während sich die ökologischen Gleichgewichte auf unserem Planeten massiv verschieben und ungezählte Arten für immer verschwinden, ist die gesamte Artenzahl der Erde noch längst nicht genau bekannt. Veränderungen in der Biosphäre werden in der Regel in Form eines massiven Artenschwundes wahrgenommen. Obwohl der historische Kontext lehrt, dass es das Schicksal einer jeden Art ist, über kurz oder lang auszusterben, hat die gegenwärtig beobachtete Entwicklung einen besonderen Akzent: denn sie wird größtenteils durch die Aktivitäten des Menschen bewirkt. Die bedeutendsten Artenvernichter sind längst bekannt und beschrieben, dennoch werden die "Roten Listen" der gefährdeten Arten immer länger – unzweifelhaftes Indiz dafür, dass der Naturschutz im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ökologie einen schweren Stand hat.

Menschliche Aktivität kann die lokale Biodiversität aber auch in begrenztem Rahmen fördern. Außerdem führt aktive Einwanderung auch heute noch zum Auftauchen neuer, bisher nicht heimischer Faunenelemente; die Ursachen hierfür sind komplex und in Mitteleuropa im Kontext mit den Eiszeiten zu sehen.

Ein gegenwärtig viel strapaziertes Schlagwort ist in diesem Zusammenhang auch der so genannte "Klimawandel" (genauer: die anthropogene Klimaerwärmung). Hier liegt ein extrem komplexes Spannungsfeld vor, eine Melange aus wissenschaftliche Fakten, ökonomischen und opportunistische Interessen, Hysterie, Unwissen und selektiver Wahrnehmung. Während in Grönland die Gletscher schmelzen, ist "der Klimawandel" in Bayern noch nicht einmal angekommen oder spielt (mit Ausnahme der Hochalpen) eine so marginale Rolle, dass das Ökosystem davon noch nichts gemerkt hat. Auch Horrorszenarien wie die künftige Zunahme von Tropenkrankheiten infolge der Klimaerwärmung sind Märchen, die nichts mit der Realität zu tun haben.

Gravierender als natürliche Arealerweiterungen wirkt sich die Verschleppung nicht-heimischer Organismen aus. Finden diese ein Fortkommen, entwickeln sie sich häufig in einem konkurrenzfreien Raum, was zu Massenvermehrung und Verdrängung heimischer Arten führt.

Das zukünftige Schicksal der Biodiversität – die "Zukunft der Arten" – ist in engster Weise mit der weiteren Entwicklung und den Aktivitäten der Anthroposphäre verknüpft. Extrapoliert man die gegenwärtige Entwicklung, sieht es allerdings nicht gut aus: Wenigen Gewinnern werden viele Verlierer gegenüberstehen, das Artensterben wird sich noch beschleunigen. Aber was ist in einer dynamischen Biosphäre eigentlich so schlimm daran, wenn Arten lokal oder gar global aussterben, wenn sich Vielfalt in Richtung Einfalt entwickelt? Schließlich hat es in der Erdgeschichte schon mehrfach Episoden von Massenauslöschungen gegeben. Brauchen wir, oder braucht die Erde, zwingend einen hohen Grad an Biodiversität?