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Übersicht 2011 Der Riese vom Tegernsee

Prof. Dr. Andreas Nerlich
Institut für Pathologie des Klinikums Bogenhausen, München
Beni Eisenburg
Gmund

Samstag, 12. November, 14:00 - 15:15 Uhr oder alternativ 15:45 - 17:00 Uhr
Grundnerhof, Bad Wiessee, Grundner 1

Voranmeldung erforderlich

Skelett des Riesen vom Tegernsee im Vergleich zu einem typischen Menschen-SkelettQuelle:Institut für Pathologie
des Klinikums Bogenhausen
Im Jahre 1876 verstarb der wegen seiner außergewöhnlichen Körpergröße als "Riese vom Tegernsee" bekannt gewordene Thomas Hasler aus Gmund am Tegernsee im Alter von 25 Jahren. Zum Zeitpunkt seines Todes hatte er eine Körpergröße von 2,35 m erreicht. Er kann seither als der "größte Bayer" gelten.

Über sein Leben und seine Krankheitsgeschichte existierten zwar einzelne anekdotische Erzählungen, erst mit seinem Tod und dem Transport seines Leichnams an einem heißen Sommertag in das Pathologische Institut der Universität München beginnt jedoch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Haslers Riesenwuchs und dessen Ursache. Vor etwa 20 Jahren schließlich konnte eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe aus verschiedenen medizinischen Fachrichtungen durch die Anwendung moderner Untersuchungsverfahren endlich Licht ins Dunkel des ungewöhnlichen Falles bringen. So ließ sich – wie in den allermeisten Fällen von Riesenwuchs – ein Hormon-produzierender Tumor an der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) mit großer Wahrscheinlichkeit belegen. Die monströse Auftreibung von Thomas Haslers Schädel, sowie weitere Knochenauftreibungen, führten jedoch darüber hinaus zur Diagnose einer, mehrere Knochenabschnitte des Skeletts betreffenden zusätzlichen Knochenkrankheit, die als (polyostotische) fibröse Dysplasie eine angeborene Knochenstörung umfasst.

Interessanterweise ließ sich nach Veröffentlichung des Falles von Thomas Hasler auf molekularer Ebene sogar eine direkte Verbindung zwischen Riesenwuchs und fibröser Dysplasie herstellen: beide zeigen eine identische Veränderung des Erbgutes (Mutation) eines spezifischen Regulationsmoleküls, haben also grundsätzlich den gleichen Ursprung und betreffen nur verschiedene Gewebearten (Knochen und Hypophyse).

Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit historischem Skelettmaterial und die Anwendung moderner diagnostischer Verfahren können also nicht nur den historischen Lebens- und Leidensweg einer geschichtlich bekannten Person aufdecken, sondern auch bedeutsame Erkenntnisse für die Krankheitsforschung liefern.