Wissenschaftstage Tegernsee - Natur & Technik erleben und begreifen Zur Startseite der Wissenschaftstage Tegernsee Motto 2010 - Forschung für die Gesundheit - Hauptprogramm am 11. - 13. November 2011 Motto 2010 - Forschung für die Gesundheit - Hauptprogramm am 11. - 13. November 2011

Übersicht 2011 Bewegung ist Leben
– Stillstand schadet

Prof. Dr. Thomas Wessinghage
Medical Park Bad Wiessee

Freitag, 11. November, 15:00 - 16:30 Uhr
Medical Park St. Hubertus, Bad Wiessee, Sonnenfeldweg 29

Prof. Dr. Thomas WessinghageQuelle: Medical Park Bad Wiesse Die Zahlen trügen.

Zwar werden die Menschen in der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz und vergleichbaren Ländern immer älter. Daraus aber den Schluss zu ziehen, dass sie auch immer gesünder würden, wäre ein fataler Fehler. Das Gegenteil ist der Fall.

Immer mehr Menschen leiden an den sog. Wohlstandskrankheiten, deren wichtigste heute unter dem Begriff "Metabolisches Syndrom" beschrieben wird. Was auf den ersten Blick als eine Art gesundheitliches Kavaliersdelikt erscheinen mag, zeichnet sich bei näherem Hinsehen durch schleichenden Verlauf aber dramatische Konsequenzen aus. Neben Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten ist vor allem der beginnende oder schon in der Vollversion vorhandene Diabetes mellitus Typ 2 für die von der Krankheit verursachten Organschäden verantwortlich. Jedes zweite Nierenversagen in der Bundesrepublik ist auf einen Diabetes mellitus zurückzuführen (jährlich ca. 6.000), weitere 6.000 Menschen erblinden pro Jahr aus demselben Grunde, und mehr als 30.000 Amputation werden allein in Deutschland jährlich bei Diabetikern durchgeführt. Und dies sind nur die Zahlen einer einzigen Krankheit.

Die moderne Medizin verlängert unser Leben, auch das kranker Menschen. Verhindern oder heilen kann sie die Krankheit in vielen Fällen nicht. Ein Bluthochdruckpatient wird Zeit seines Lebens an dieser Krankheit leiden, auch wenn Tabletten die gemessenen Werte normalisieren. Ohne Tabletten wäre der Hochdruck nach wenigen Stunden wieder da.

Wirksamer und vor allem nachhaltiger können die Leiden des modernen Menschen durch eine geeignete Lebensführung beeinflusst werden. Dabei muss man nicht einmal die für manche so bittere Pille Sport schlucken. Bereits ein bisschen Bewegung - nur wenige Schritte, die regelmäßig pro Tag zu Fuß zurückgelegt werden - haben bereits schützende Wirkung, sogar ohne Trainingsanzug oder Joggingschuhe. Schon bei einem durch Bewegung erzielten, minimalen zusätzlichen Energieverbrauch von 500 kcal pro Woche stellt sich ein erster Schutzeffekt ein. 500 kcal, das bedeutet ca. 1 km Gehstrecke pro Tag. Einmal täglich Brötchen holen und zurück, mit dem Hund um den Block gehen, in der Mittagspause einen entspannenden Spaziergang machen: Wenig und letztlich doch so unendlich viel. Das optimale Verhältnis von Aufwand und Wirkung findet sich – in großen internationalen Studien bewiesen – bei etwa zwei Stunden netto Bewegung pro Woche (3x 40 min). Und der volle Schutzeffekt ab etwa einer halben Stunde zügigen Gehens bzw. langsamen Laufens täglich (3½ Stunden pro Woche) oder einer Stunde ruhigen Spazierengehens ("Schlendern") pro Tag.

Wir müssen umdenken. Nicht die moderne Medizin macht uns gesund, nicht der Arzt, nicht der Apotheker, nicht die Krankenkasse. Wir selbst haben das Glück (oder die Last), den Hauptanteil an unserer Gesundheit tragen zu dürfen. Dieser Anteil wird von namhaften Wissenschaftlern bei der Entstehung des Metabolischen Syndroms auf ca. 90% geschätzt. Einfach gerechnet bedeutet das, dass von rund 7 Mio. Diabetikern in Deutschland (Vollversion der Krankheit, die Dunkelziffer ist viel höher) 6,3 Mio. für die Entstehung ihrer Krankheit selbst verantwortlich sind.

Die einfachen Dinge des Lebens, sagen weise Menschen, sollen uns wieder Freude machen. Die einfachen Dinge können uns auch gesund erhalten. Ein bisschen Bewegung reicht schon, um das längerer Leben auf höherem Qualitätsniveau zu genießen. Wir müssen es nur tun. Just do it!!